Nur durch Zufall war ich auf diesen Kollegen aufmerksam geworden. Der Weg war lang und verworren, ich musste durch einige Gänge in einen Keller gehen und fand mich dann in einem Raum wieder, der eher wie eine Abstellkammer alter elektronischer Geräte aussah. Was heißt, aussah? Es war eine Sammlung alter elektronischer Geräte. Sie türmten sich rechts und links so hoch auf, dass nur ein schmaler Gang übrig blieb, an dessen Ende ich endlich ein menschliches Wesen erblickte. Es war dieser Kollege, dessetwegen ich mich hierher auf den Weg gemacht hatte.
Meine Frage, was er denn hier tue, wurde mit einer ausführlichen Schilderung beantwortet. Er sei ein IT Archäologe. Er grabe nicht alte Vasen aus, sondern alte Dateien. „Eigentlich“, so fuhr er fort, „ist es seltsam, dass ich bislang der einzige IT Archäologe bin. Denn genau genommen braucht es uns schon seit einigen Jahren. Stellen Sie sich einmal vor, wie viele Betriebssysteme und Anwendungsprogramme es in den letzten 30 Jahren gegeben hat. Viele davon sind inzwischen schon fast vergessen, die Geräte oder die Software, die es braucht, um diese alten Dateien zu lesen, gibt es nur noch an wenigen Stellen. Dazu kommt die Hardware, dieser Jahre: alte Floppys, Festplatten oder andere Speichermedien sind mit heutigen Geräten längst nicht mehr kompatibel. Und natürlich haben nicht alle ihre alten Dateien auf neue Geräte übertragen. Da liegen nun auf Dachböden, in Kellern, in alten Schränken zahllose Disketten und Festplatten herum und niemand weiß mehr, was auf ihnen gesichert wurde. Das ist aber unser digitales Gedächtnis und wenn wir nicht als Historiker uns darum kümmern, tut es niemand sonst. Wir, die Historiker, sind doch diejenigen, die sich mit Quellen und deren Interpretation auskennen, wir haben auch die Aufgabe, diese Quellen zu erfassen, zu sichten und zu retten. Aber dazu braucht es auch technisches Verständnis, sowohl was Hardware als auch, was die Software betrifft. Wir brauchen die IT Archäologen!“
„Aber“, so wandte ich ein, „ist das nicht die Aufgabe der Archivare?“ Er runzelte die Stirn, offenbar war ihm diese Frage nicht neu. „Die Archivare? Welche denn? Die in den staatlichen Archiven? Die sind doch zu sehr mit dem beschäftigt, was die Behörden hinterlassen, die haben hiervon weder Ahnung noch die nötige Zeit. Und die kommunalen Archive? Die sind schon jetzt völlig unterbesetzt. Nein, es braucht uns, die IT Archäologen. Nur wir können das machen. So, jetzt muss ich aber weiter arbeiten, habe hier einen Karton alter Floppys und muss die sichten. War nett mit Ihnen zu plaudern. Den Weg kennen Sie ja.“
Damit dreht er sich um und kümmerte sich nicht weiter um mich. Ich verließ diesen seltsamen Raum.
Als ich wieder auf der Straße stand, wußte ich nicht genau, ob ich das alles nur geträumt hatte. Aber eigentlich ...
Meine Frage, was er denn hier tue, wurde mit einer ausführlichen Schilderung beantwortet. Er sei ein IT Archäologe. Er grabe nicht alte Vasen aus, sondern alte Dateien. „Eigentlich“, so fuhr er fort, „ist es seltsam, dass ich bislang der einzige IT Archäologe bin. Denn genau genommen braucht es uns schon seit einigen Jahren. Stellen Sie sich einmal vor, wie viele Betriebssysteme und Anwendungsprogramme es in den letzten 30 Jahren gegeben hat. Viele davon sind inzwischen schon fast vergessen, die Geräte oder die Software, die es braucht, um diese alten Dateien zu lesen, gibt es nur noch an wenigen Stellen. Dazu kommt die Hardware, dieser Jahre: alte Floppys, Festplatten oder andere Speichermedien sind mit heutigen Geräten längst nicht mehr kompatibel. Und natürlich haben nicht alle ihre alten Dateien auf neue Geräte übertragen. Da liegen nun auf Dachböden, in Kellern, in alten Schränken zahllose Disketten und Festplatten herum und niemand weiß mehr, was auf ihnen gesichert wurde. Das ist aber unser digitales Gedächtnis und wenn wir nicht als Historiker uns darum kümmern, tut es niemand sonst. Wir, die Historiker, sind doch diejenigen, die sich mit Quellen und deren Interpretation auskennen, wir haben auch die Aufgabe, diese Quellen zu erfassen, zu sichten und zu retten. Aber dazu braucht es auch technisches Verständnis, sowohl was Hardware als auch, was die Software betrifft. Wir brauchen die IT Archäologen!“
„Aber“, so wandte ich ein, „ist das nicht die Aufgabe der Archivare?“ Er runzelte die Stirn, offenbar war ihm diese Frage nicht neu. „Die Archivare? Welche denn? Die in den staatlichen Archiven? Die sind doch zu sehr mit dem beschäftigt, was die Behörden hinterlassen, die haben hiervon weder Ahnung noch die nötige Zeit. Und die kommunalen Archive? Die sind schon jetzt völlig unterbesetzt. Nein, es braucht uns, die IT Archäologen. Nur wir können das machen. So, jetzt muss ich aber weiter arbeiten, habe hier einen Karton alter Floppys und muss die sichten. War nett mit Ihnen zu plaudern. Den Weg kennen Sie ja.“
Damit dreht er sich um und kümmerte sich nicht weiter um mich. Ich verließ diesen seltsamen Raum.
Als ich wieder auf der Straße stand, wußte ich nicht genau, ob ich das alles nur geträumt hatte. Aber eigentlich ...